Wenn Frauen ausbrennen, ohne dass es jemand merkt

Wenn Frauen ausbrennen, ohne dass es jemand merkt

Es gibt eine Art von Erschöpfung, die man von außen kaum sieht. Die Frau, die sie trägt, funktioniert weiter. Sie geht zur Arbeit, kümmert sich um die Familie, lächelt im Gespräch mit Freundinnen, checkt noch schnell die Einkaufsliste. Niemand würde vermuten, dass sie innerlich längst am Ende ist. Genau diese Art von Erschöpfung sehe ich in meiner Arbeit immer wieder. Ich nenne sie den funktionierenden Burnout.

Ich habe selbst eine Zeit erlebt, in der ich genau das war. Von außen ganz normal, innerlich völlig leer. Ich habe morgens die Augen aufgemacht und schon gewusst, dass der Tag zu viel werden würde. Trotzdem bin ich aufgestanden, habe alles erledigt, was erledigt werden musste, und abends war ich so leer, dass ich mich kaum noch an den Tag erinnern konnte. Niemand um mich herum hat etwas bemerkt. Ich habe es ja auch selbst lange nicht bemerkt.

Burnout sieht nicht immer aus wie ein Zusammenbruch

Wenn wir an Burnout denken, haben viele von uns ein bestimmtes Bild im Kopf. Jemand, der zusammenbricht, der nicht mehr aus dem Bett kommt, der von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktioniert. Das gibt es tatsächlich. Aber es ist nur eine Form davon.

Viel häufiger, gerade bei Frauen, sehe ich die stille Variante. Der Körper funktioniert noch, aber er läuft im Grunde nur noch auf Reserve. Man könnte es mit einem Handy vergleichen, das ständig bei zwei Prozent Akku läuft. Es geht noch, aber es reicht für nichts Zusätzliches mehr. Für keine spontane Verabredung, kein unerwartetes Problem, keine zusätzliche Anforderung. Alles fühlt sich an wie zu viel, selbst wenn es objektiv betrachtet gar nicht so viel ist.

Diese Form von Erschöpfung wird oft übersehen, weil sie sich so gut tarnen kann. Frauen sind häufig sehr gut darin, weiterzumachen, auch wenn innerlich längst nichts mehr geht. Manchmal ist genau diese Fähigkeit das Problem. Sie verhindert, dass man selbst merkt, wie erschöpft man wirklich ist.

Warum Frauen so oft in diese Erschöpfung rutschen

Ein Grund, den ich immer wieder beobachte, ist die Art, wie viele Frauen mit Belastung umgehen. Anstatt sich zurückzuziehen, kümmern sie sich noch mehr. Um die Kinder, um die Beziehung, um Kolleginnen, um Freundschaften. Diese Fürsorge ist wertvoll und wichtig, aber wenn sie zur einzigen Strategie im Umgang mit Stress wird, geht sie irgendwann auf Kosten der eigenen Reserven.

Dazu kommt, dass viele Frauen sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben. Nicht nur im Job gut sein, sondern auch eine gute Mutter, eine gute Partnerin, eine gute Freundin. Am besten alles gleichzeitig und alles möglichst mühelos. Dieser Anspruch bleibt oft unausgesprochen, aber er wirkt trotzdem, jeden Tag, im Hintergrund.

Was das mit dem Nervensystem macht, ist entscheidend zu verstehen. Ein Nervensystem, das ständig unter leichter Anspannung steht, kommt nie wirklich zur Ruhe. Es ist, als würde man immer mit angezogener Handbremse fahren. Der Motor läuft, aber die Reibung kostet ständig zusätzliche Energie. Nach einer Weile ist es kein Wunder mehr, dass die Energie einfach ausgeht.

Die Erschöpfung, die niemand sieht, weil sie niemand zeigt

Ich glaube, ein großer Teil des Problems liegt auch darin, dass viele Frauen gelernt haben, ihre Erschöpfung nicht zu zeigen. Weil es unpassend wirken könnte, weil andere sich dann vielleicht Sorgen machen, weil man selbst nicht als schwach gelten möchte. Also wird gelächelt, wird weitergemacht, wird funktioniert.

Das Tückische daran ist, dass das Nervensystem sich davon nicht täuschen lässt. Auch wenn du nach außen hin stark wirkst, merkt sich dein Körper jeden Moment, in dem er unter Anspannung stand. Diese Anspannung verschwindet nicht einfach, nur weil du sie nicht zeigst. Sie sammelt sich an, Tag für Tag, bis der Körper irgendwann selbst die Reißleine zieht. Oft in Form von Erschöpfung, manchmal auch in Form von körperlichen Beschwerden, die sich nicht richtig erklären lassen.

Ich erinnere mich, wie ich damals ständig kleine Wehwehchen hatte, die niemand so richtig einordnen konnte. Rückenschmerzen, Verspannungen, ein ständiges Gefühl von Unruhe im Bauch. Erst im Rückblick habe ich verstanden, dass das mein Körper war, der versucht hat, mir etwas mitzuteilen, weil ich mit dem Kopf einfach nicht mehr zugehört habe.

Der erste Schritt ist nicht mehr Leistung, sondern Ehrlichkeit

Was mir in meiner eigenen Geschichte am meisten geholfen hat, war nicht, noch mehr zu tun. Es war, ehrlich mit mir selbst zu werden. Zuzugeben, dass ich nicht mehr konnte, obwohl ich eigentlich alles im Griff zu haben schien. Das war unangenehm, weil es bedeutet hat, mein Bild von mir selbst infrage zu stellen. Aber es war auch der Moment, in dem wirklich etwas anfangen konnte, sich zu verändern.

Wenn du dich in diesem Beitrag wiedererkennst, möchte ich dir vor allem eines sagen. Es ist kein Versagen, wenn du erschöpft bist, obwohl du doch eigentlich alles richtig zu machen scheinst. Es ist ein Zeichen, dass dein Nervensystem seit langer Zeit versucht, dir etwas zu sagen. Die Frage ist nur, ob du bereit bist, endlich hinzuhören.

Du musst da nicht allein durch

Ich weiß, wie einsam sich diese Art von Erschöpfung anfühlen kann, gerade weil sie von außen so unsichtbar ist. Niemand fragt nach, weil niemand etwas sieht. Deshalb finde ich es so wichtig, darüber zu sprechen, auch wenn es unbequem ist.

Wenn du spürst, dass du selbst in diesem funktionierenden Erschöpfungszustand feststeckst, und du dir wünschst, wieder mehr Energie und Leichtigkeit in deinem Alltag zu spüren, begleite ich dich gerne auf diesem Weg. In meinem Shop findest du verschiedene Möglichkeiten, wie wir gemeinsam schauen können, was dein Nervensystem gerade wirklich braucht.

Bis dahin wünsche ich dir, dass du dir selbst erlaubst, auch mal nicht stark sein zu müssen. Du darfst müde sein. Du darfst es sagen.

Alles Liebe Jessica

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