Vielleicht kennst du das. Jemand sagt dir, du sollst einfach mal entspannen. Tief durchatmen, locker bleiben, dir keinen Stress machen. Und du sitzt da und denkst dir, ja klar, so einfach ist das. Wenn es so einfach wäre, würde ich es doch längst tun.
Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Es gab Zeiten in meinem Leben, da bin ich morgens kaum aus dem Bett gekommen. Nicht weil ich müde war, sondern weil mein Körper sich angefühlt hat wie im Dauereinsatz. Alles war anstrengend. Selbst Dinge, die eigentlich schön waren, haben sich schwer angefühlt. Und niemand konnte mir erklären, warum das so ist. Bis ich angefangen habe, mich wirklich mit meinem Nervensystem zu beschäftigen.
Heute möchte ich dir zeigen, was dahinter steckt. Nicht mit komplizierten Fachbegriffen, sondern so, wie ich es selbst verstanden habe. Denn ich glaube, wenn du erst mal begreifst, was in deinem Körper eigentlich passiert, fällt es dir viel leichter, freundlich mit dir umzugehen.
Dein Nervensystem ist kein Feind
Ganz oft denken Menschen, ihr Körper würde gegen sie arbeiten. Das Herzrasen, die flache Atmung, die Anspannung in den Schultern. Das fühlt sich an wie ein Störfaktor. Aber eigentlich macht dein Nervensystem genau das, wofür es gemacht ist. Es beschützt dich.
Dein autonomes Nervensystem läuft im Hintergrund, ganz ohne dass du bewusst darüber nachdenkst. Es reguliert deinen Herzschlag, deine Atmung, deine Verdauung, deine Körpertemperatur. Und es hat zwei große Gegenspieler, die man sich wie zwei Pedale in einem Auto vorstellen kann. Das Gaspedal nennt man Sympathikus. Das Bremspedal nennt man Parasympathikus.
Der Sympathikus wird aktiv, wenn dein Körper Energie braucht. Bei Gefahr, bei Anstrengung, bei allem, was ihm wichtig oder bedrohlich erscheint. Er lässt dein Herz schneller schlagen, deine Muskeln anspannen, deine Atmung flacher werden. Früher hat uns das vor echten Gefahren gerettet, dem Säbelzahntiger zum Beispiel. Heute reicht oft schon eine unangenehme E-Mail oder ein Streit, damit dieses System anspringt.
Der Parasympathikus ist das Gegenteil. Er sorgt für Ruhe, Regeneration, Verdauung, Schlaf. Er ist dafür da, dass dein Körper sich wieder erholen kann, nachdem er im Alarmmodus war.
Das Problem in unserer heutigen Zeit ist nicht, dass der Sympathikus aktiv wird. Das ist völlig normal und gesund. Das Problem ist, dass viele Menschen kaum noch den Weg zurück in die Ruhe finden. Der Alarmmodus bleibt an, obwohl die eigentliche Gefahr längst vorbei ist.
Warum du dich ständig erschöpft fühlst, obwohl du nichts Anstrengendes gemacht hast
Das war für mich der Moment, in dem alles Sinn ergeben hat. Ich habe mich oft gefragt, warum ich nach einem ganz normalen Tag in der Arbeit so erschöpft war, obwohl ich körperlich nichts geleistet hatte. Die Antwort liegt genau hier. Wenn dein Nervensystem ständig im leichten Alarmzustand ist, verbraucht das enorm viel Energie. Auch wenn du viel sitzt.
Man unterscheidet oft zwischen akutem und chronischem Stress. Akuter Stress ist die kurze Aktivierung, die dann auch wieder abklingt. Das ist gesund und sogar notwendig, damit dein Körper trainiert bleibt und lernt, mit Herausforderungen umzugehen. Chronischer Stress dagegen ist das Problem. Da bleibt dein System dauerhaft leicht angespannt, ohne dass es wirklich zur Ruhe kommt. Das ist wie ein Motor, der nie ganz ausgeht, sondern nur im Leerlauf weiterläuft.
Und genau das erklärt auch, warum so viele Ratschläge einfach nicht funktionieren. Wenn jemand zu dir sagt, du sollst positiv denken oder dich einfach entspannen, dann setzt das bei deinem Kopf an. Aber dein Nervensystem hört nicht auf deinen Kopf. Es reagiert auf Körperempfindungen, auf Sicherheit oder Gefahr, auf das, was du tatsächlich spürst, nicht auf das, was du dir denkst.
Es gibt nicht nur den einen Stresstyp
Was mich am meisten überrascht hat, als ich tiefer in das Thema eingestiegen bin, war, dass Stress nicht bei jedem Menschen gleich aussieht. Manche Menschen reagieren mit dem klassischen Kampf oder Flucht Modus. Sie werden unruhig, gereizt, können schlecht stillsitzen, haben das Gefühl, ständig etwas erledigen zu müssen.
Andere Menschen reagieren völlig anders. Sie werden still, ziehen sich zurück, fühlen sich wie eingefroren oder wie unter einer Käseglocke. Das nennt man den Erstarrungszustand. Von außen wirkt das oft wie Ruhe oder Gelassenheit, aber innerlich ist gar nichts entspannt. Es ist eher so, als würde der Körper komplett runterfahren, weil er mit der Situation überfordert ist.
Ich habe früher gedacht, ich sei einfach eine ruhige Person, weil ich in stressigen Situationen oft ganz still geworden bin. Erst später habe ich verstanden, dass das gar keine echte Ruhe war, sondern mein Körper im Erstarrungsmodus.
Dieses Wissen um den eigenen Stresstyp ist so wichtig, weil er beeinflusst, was dir überhaupt helfen kann. Was bei dem einen Menschen wunderbar funktioniert, kann bei jemand anderem völlig ins Leere laufen oder sogar das Gegenteil bewirken.
Warum kognitive Ansätze oft zu früh kommen
Ein Punkt, der mir besonders am Herzen liegt. Viele Menschen greifen zuerst zu Affirmationen, Journaling oder positivem Denken, wenn sie merken, dass sie gestresst sind. Das sind wertvolle Werkzeuge, aber sie setzen an der falschen Stelle an, wenn dein Nervensystem noch stark aktiviert ist.
Stell dir vor, dein Körper ist im Alarmzustand, dein Herz schlägt schnell, deine Gedanken rasen. In diesem Moment nützt es wenig, dir zu sagen, dass alles gut wird. Dein Nervensystem hört das gar nicht richtig, weil es gerade viel zu beschäftigt damit ist, dich zu schützen. Erst wenn der Körper wieder in einem ruhigeren Zustand ist, können kognitive Ansätze überhaupt greifen.
Deshalb setze ich in meiner Arbeit immer zuerst bei körperlichen Reizen an, bevor ich zu den mentalen Ebenen komme. Der Körper muss zuerst wissen, dass er sicher ist. Erst dann kann der Kopf wirklich mitarbeiten.
Der Weg zurück zu dir selbst
Wenn ich eines aus meiner eigenen Geschichte mitgenommen habe, dann das. Du bist nicht kaputt, nur weil du gestresst bist. Dein Körper macht genau das, was er gelernt hat zu tun. Die gute Nachricht ist, dass ein Nervensystem lernfähig ist. So wie es gelernt hat, ständig in Alarmbereitschaft zu sein, kann es auch wieder lernen, zur Ruhe zu kommen.
Das passiert nicht über Nacht und auch nicht durch einen einzigen Trick. Es ist eher ein Weg, den man Stück für Stück geht. Mit kleinen, regelmäßigen Impulsen, die dem Körper immer wieder zeigen, dass er sicher ist. Genau das ist auch der Grund, warum ich Naturverbundenheit so wichtig finde. Die Natur hat eine Art, mit uns zu sprechen, die unser Nervensystem versteht, ganz ohne Worte.
Ich möchte dir mit diesem Beitrag keine fertige Lösung geben, sondern dir vor allem eines mitgeben. Wenn du dich oft erschöpft, gereizt oder wie neben dir stehend fühlst, dann bist du nicht schwach und du machst nichts falsch. Dein Nervensystem versucht nur, dich zu beschützen, so gut es kann.
Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen und lernen möchtest, wie du deinen eigenen Stresstyp erkennst und Schritt für Schritt wieder mehr Ruhe in deinen Alltag bringst, begleite ich dich gerne dabei. Schau dich gern in meinem Shop um, dort findest du verschiedene Wege, wie wir gemeinsam weitergehen können.
Bis dahin wünsche ich dir von Herzen, dass du ein Stück gnädiger mit dir selbst wirst. Dein Körper gibt jeden Tag sein Bestes für dich.
Alles Liebe Jessica
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